14/01/2026
Marktkommentar
Rückblick auf das Jahr 2025
Das Jahr 2025 war geprägt von politischen, wirtschaftlichen und monetären Neuorientierungen. Die Rückkehr Donald Trumps ins Weisse Haus führte zu einer deutlichen Verschiebung in der globalen Handelspolitik. Neue Zölle und protektionistische Massnahmen verursachten Unsicherheiten, stärkten jedoch gleichzeitig die Fokussierung auf regionale Wertschöpfung und strategische Unabhängigkeit.
Diese Entwicklung gab einzelnen Industriezweigen neuen Auftrieb, führte insgesamt jedoch zu einem volatilen Marktumfeld. Der US-Dollar schwächte sich im Jahresverlauf deutlich ab, was auf eine massive Ausweitung der Staatsschulden und eine vorsichtige Kommunikation der Notenbank zurückzuführen ist. Davon profitierten vor allem der Schweizer Franken und der Euro. Im Zinsumfeld zeichneten sich in den USA nach langem Zögern erste Lockerungsschritte ab. In Europa und der Schweiz fielen die Leitzinsen in den ersten 6 Monaten des Jahres und blieben seither unverändert. Die Aktienmärkte erreichten im Jahr 2025 neue Höchststände. Der Technologiesektor entwickelte sich zum zentralen Wachstumsmotor, getragen von der anhaltenden Euphorie rund um Künstliche Intelligenz und hohen Gewinnsteigerungen. Allerdings sind die Bewertungen in diesem Sektor aus traditioneller Sichtweise sehr hoch. Edelmetalle festigten ihre Rolle als „sicherer Hafen“ und profitierten von geopolitischen Unsicherheiten sowie der überbordenden Schuldenpolitik verschiedener Staaten. Industriemetalle erfuhren aufgrund des technologischen Wandels und der Energiewende eine starke Nachfrage.
Ausblick auf das Jahr 2026
Ein klarer Ausblick auf das Jahr 2026 gestaltet sich aufgrund fehlender Transparenz als herausfordernd, wie die jüngsten Ereignisse in Venezuela verdeutlichen. Geopolitisch bleiben die Herausforderungen gross und werden uns auch im kommenden Jahr wiederholt beschäftigen. Der Wettbewerb um strategisch wichtige Rohstoffe wird zunehmend intensiver. So hat beispielsweise China den Export von physischem Silber ab sofort stark eingeschränkt. Diese Massnahme trifft auf eine stetig steigende Nachfrage nach dem weissen Edelmetall. Silber besitzt die höchste elektrische und thermische Leitfähigkeit und spielt eine bedeutende Rolle in der Weiterentwicklung des Technologiesektors, insbesondere beim dringend benötigten Ausbau von Rechenzentren, deren Stromnetzen sowie neuer Halbleitergenerationen. Daraus ergibt sich, dass im neuen Jahr grundsätzlich mit erhöhter Volatilität in den meisten Anlageklassen zu rechnen ist. Für 2026 erwarten wir derzeit keine rezessiven Tendenzen. Das globale Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich etwa 3 % betragen, wobei regionale Unterschiede bestehen bleiben. Während die USA mit rund 2 % Wachstum rechnen, liegen die Erwartungen für Europa und die Schweiz mit etwas mehr als 1 % deutlich niedriger. China dürfte mit etwa 4,5 % ein Wachstum erzielen, das leicht unter dem langjährigen Durchschnitt liegt.
Bei den Leitzinsen rechnen wir für die Europäische Union und die Schweiz kaum mit Veränderungen. In den USA steigt der politische Druck auf niedrigere Zinsen weiter an. Als Folge der Ernennung eines neuen Präsidenten der FED könnten die Zinsen voraussichtlich weiter gesenkt werden. Zusätzlich wird durch Anleihenkäufe weitere Liquidität in den Markt gepumpt, was früher oder später zu inflationären Tendenzen führen könnte. Im Aktienmarkt stellt sich die zentrale Frage, ob und wann die Blase bei Unternehmen rund um den KI-Hype platzt. Die Bewertungen einiger Unternehmen erscheinen zwar extrem hoch, doch wenn diese aus der Betrachtung herausgenommen werden, sind die übrigen Aktien zwar gut, aber nicht überbewertet. Somit haben die Aktienmärkte durchaus noch Potenzial nach oben, wenn auch weniger ausgeprägt als in den vergangenen Jahren. Solange die Gewinne pro Aktie steigen, was aktuell erwartet wird, ist ein Crash eher unwahrscheinlich. Währungsseitig wird der Druck auf den US-Dollar voraussichtlich kaum nachlassen, auch wenn kurzfristige Erholungen möglich sind. Der Schweizer Franken und der Euro sollten stabil bleiben und sich seitwärts bewegen. Bei den Rohstoffen ist mit weiter steigenden Preisen für Edelmetalle sowie wichtige Industriemetalle wie Kupfer zu rechnen. Aufgrund der erhöhten Unsicherheiten sind kurzfristige Preisrückgänge als Kaufgelegenheiten zu betrachten.
Aktienmärkte
Die meisten Aktienmärkte zeigten im Berichtsmonat eine ruhige Entwicklung. Zu den Gewinnern zählte unter anderem der DAX, der um rund 2,7% zulegte. Hauptgrund für den Anstieg des deutschen Leitindex auf ein neues Hoch waren vor allem die Erwartungen an die geplanten Investitionen der Regierung in Infrastruktur und Verteidigung. Auch der Schweizer Aktienmarkt (SMI) verzeichnete mit einem Plus von über 3,3% einen Rekordstand. In der Schweiz trugen insbesondere die Pharma- und Finanzwerte, die stark nachgefragt wurden, zu diesem Anstieg bei. Auffällig war zudem die Rotation in Schwellenländer, die im Durchschnitt ebenfalls um 2,7% zulegten.
Zinsen
Die zunehmende Unsicherheit bezüglich der Entwicklung der Staatsfinanzen führte im Dezember zu einem Anstieg der langfristigen Zinsen um teilweise über 0,2%. Gleichzeitig blieben die kurzfristigen Zinsen unverändert, was zu einer weiteren Versteilerung der Zinskurve führte. Dies verdeutlicht die eingeschränkte Einflussnahme der Zentralbanken auf die Zinsentwicklung. Während die kurzfristigen Zinsen von den Zentralbanken weiterhin niedrig gehalten werden oder sogar, wie in den USA zu erwarten, weiter sinken könnten, verlangen Anleger für langfristige Staatsanleihen immer höhere Renditen. In der Schweiz wird es zunehmend schwieriger, qualitativ hochwertige Anleihen mit positiver Verzinsung zu finden.
Währungen und Rohstoffe
Der US-Dollar verlor erneut an Wert und näherte sich fast den Tiefstständen vom September. Ursache hierfür sind die steigende Staatsverschuldung sowie die Aussicht auf weiter sinkende Zinsen in den USA, die die US-Währung belasteten. Der Kupferpreis steigt aufgrund möglicher Knappheiten weiterhin ungehindert an. Besonders stark verteuerte sich Silber: Der Preis stieg um über 25%. Die neuen Exportkontrollen Chinas sowie ein erhöhter physischer Bedarf an diesem knappen Rohstoff trieben den Preis auf ein bislang ungekanntes Niveau. Rohöl gab aufgrund gestiegener Produktionsaussichten weiter nach. Auch der Bitcoin zeigte Schwäche und wertete um weitere 4% ab.
